Broadcast-taugliche Standardfamilie für die Übertragung von unkomprimiertem Video, Audio und Zusatzdaten über IP-Netzwerke, mit PTP-gekoppeltem Timing.
Was es ist
SMPTE ST 2110 ist ein mehrteiliger Standard der Society of Motion Picture and Television Engineers, der SDI in Broadcast-Einrichtungen ersetzt. Er teilt Video (-20), Audio (-30) und Zusatzdaten (-40) in getrennte IP-Streams auf, die alle an einen gemeinsamen PTP-Takt (IEEE 1588) gekoppelt sind.
Die Verbreitungskurve im Jahr 2026
Der Haivision Broadcast Transformation Report 2025 befragte rund 900 Broadcast-Fachleute in 110 Ländern: 51 % betrieben eine hybride IP+SDI-Infrastruktur (gegenüber 44 % im Vorjahr), und 37 % nutzten konkret ST 2110. SMPTE, EBU und VSF erhielten 2025 einen Engineering Emmy für die Wirkung von ST 2110 auf die Branche. Neubauten im Broadcast und große Sportereignisse setzen heute standardmäßig auf ST 2110.
Warum die meisten Leitstände es weiterhin nicht einsetzen
ST 2110 überträgt unkomprimiertes Video, was 10/25-Gbit/s-Leitungen plus PTP, plus präzises Switch-QoS, plus eine Erkennungs- und Steuerebene (heute als NMOS standardisiert) erfordert. Für NOC, SOC und Lagezentren ist diese Last überdimensioniert: komprimierte Quellen (NDI, RTSP, KVM) decken den Anwendungsfall zu einem Bruchteil der Kosten ab. Die ProAV-Antwort auf „Wir wollen ST-2110-Kompatibilität ohne ST-2110-Infrastruktur" lautet IPMX — gleiche Abstammung, komprimierter Transport.
Wo es passt und wo nicht
- Passt: Broadcast-Playout, Ü-Wagen für Live-Sport, Master Control, Studio-Infrastruktur als SDI-Ersatz.
- Passt nicht: klassische Leitstände, NOC-Wände, Unternehmens-AV. Es dort vorzuschreiben, erhöht die Stückliste um das 3- bis 5-Fache ohne betrieblichen Nutzen.