Software Defined Video over Ethernet — unkomprimierter AV-over-IP-Standard, aufgebaut auf 10 GbE und dem Aquantia- / Marvell-AQrate-Chipsatz.
Was es ist
SDVoE (Software Defined Video over Ethernet) ist ein AV-over-IP-Standard, gefördert von der SDVoE Alliance. Er überträgt unkomprimiertes 4K60-Video über Standard-10-Gbit/s-Ethernet mit Subframe-Latenz und stützt sich auf den AQrate-Chipsatz (Marvell, ehemals Aquantia), der in jedem zertifizierten Encoder / Decoder steckt.
Warum man sich dafür entscheidet
- Subframe-Latenz — Ende-zu-Ende unter einem Videobild, was für die Live-Bedienung durch Operatoren und für jeden Workflow mit Zeige-Interaktion wichtig ist.
- Unkomprimierte Qualität — keine Kompressionsartefakte, nützlich für farbkritische und forensische Workflows.
- USB und seriell über dasselbe Kabel — KVM-Workflows mit einem einzigen Transport.
Die Kompromisse
- 10 GbE überall — Switches, Kabel, NICs. Kostet etwa das 3-Fache des entsprechenden 1-GbE-Fabrics, das man für NDI oder IPMX mit JPEG-XS nutzen würde.
- Chipsatz-Lock-in — jeder SDVoE-konforme Endpunkt nutzt dieselbe Silizium-Familie, was den Herstellerkreis stärker einschränkt als IPMX oder NDI.
- Tendenz zu 1:1 Quelle ↔ Display — Komposition oberhalb des Transports (Mehrfenster, Skalierung) ist möglich, wird aber meist an einen Controller oberhalb der SDVoE-Schicht ausgelagert.
Wo es passt
Handelsräume (Trading Floors), Broadcast-Suiten mit strengen Latenzbudgets und Leitzentralen, die das 10-GbE-Fabric bereits besitzen. Für neue, kostensensible ProAV-Projekte gewinnt meist IPMX beim Preis-Leistungs-Verhältnis.