Offener AV-over-IP-Standard auf Basis von SMPTE ST 2110, aber für ProAV angepasst: JPEG-XS-Kompression, optionales PTP, natives HDCP, Verwaltung über NMOS.
Was es ist
IPMX (Internet Protocol Media Experience) ist eine offene AV-over-IP-Standardsuite, betreut von der AIMS Alliance und aufbauend auf der SMPTE-ST-2110-Familie. AIMS hat IPMX auf der ISE 2026 offiziell als vollständig ausgearbeiteten, zertifizierbaren Standard eingeführt; die ersten 48 Produkte wurden von Cobalt Digital, Matrox, Evertz und anderen zertifiziert.
Wie es sich von ST 2110 unterscheidet
- 1-Gbit/s-Netzwerke — IPMX nutzt JPEG-XS-Kompression, sodass 4K60 in 1 GbE passt, während ST 2110 für dieselbe Bildfläche 10/25 GbE benötigt.
- Optionales PTP — die IEEE-1588-PTP-Synchronisation ist in ST-2110-Broadcast-Workflows zwingend, in IPMX jedoch optional, was asynchrones Video für ProAV erlaubt.
- Natives HDCP — der Kopierschutz ist integriert, sodass kommerzielle HDMI-Quellen ohne Bridging funktionieren.
- NMOS-verwaltet — nutzt NMOS IS-04 für die Erkennung und IS-05 für das Verbindungsmanagement statt herstellerproprietärer Steuerebenen.
Warum es 2026-2027 wichtig ist
Die Ausschreibungssprache für neue Leitstände und Lagezentren verschiebt sich schnell: Branchenprognosen auf der ISE 2026 erwarten, dass bis Ende 2026 über 50 % der neuen Leitstand-Beschaffungen IPMX-+-NMOS-Unterstützung verlangen — eine direkte Reaktion auf die Ermüdung der Käufer angesichts des Vendor-Lock-in von SDVoE, NDI und proprietären KVM-Matrizen.
Wo es neben NDI und SDVoE einzuordnen ist
NDI bleibt die einfachere Plug-and-Play-Option für Produktions-Workflows. SDVoE bietet geringere Latenz und unkomprimierte Qualität, erfordert aber durchgängig 10G-Infrastruktur. IPMX liegt dazwischen: standardisiert, läuft auf gewöhnlichen IT-Switches und ist als Einziges der drei mit einem echten Weg in den Broadcast-Bereich über die ST-2110-Abstammung ausgestattet.
Häufige Fehler
- IPMX als ein einzelnes Protokoll zu behandeln — es ist eine Suite (Video, Audio, Zusatzdaten, Management), und Ausschreibungen müssen festlegen, welche Teilbereiche erforderlich sind.
- Es mit SMPTE ST 2110 zu verwechseln — Broadcast-Einrichtungen wählen 2110; ProAV-Leitstände wählen zunehmend IPMX. Beides für ein Projekt vorzuschreiben, heißt meist, keines von beiden gut zu spezifizieren.